Mit Kind zum Festival

on

Die Festival-Saison hat begonnen und vermutlich grübeln derzeit einige von euch, ob und ab wann man zu so einem Event eigentlich die Kinder mitnehmen kann. Ich war im vergangenen Jahr mit meinen beiden Grundschülern beim Lollapalloza. Was wir dort erlebt haben, will ich ich heute erzählen.

Irgendwann im Frühjahr 2017 saß ich mit großen Augen am PC: Die Foo Fighters würden spielen! Auf dem Lollapalloza Festival in Hoppegarten, nur 15 Autominuten von mir entfernt! Und es gab kostenlose Tickets für Kinder bis 10! Zwei Minuten später waren die Tickets gekauft. 139 Euro für mich und meine beiden Jungs. Meine beiden Goldschätze würden ihr erstes Festival besuchen. War ich glücklich und aufgeregt!

© Biber & Butzemann

Was hatte ich mir nur dabei gedacht?!

Als der Festivaltermin näher rückte, verwandelte sich das Glück in nackte Panik. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?! 80.000 Menschen und mitten drin meine Jungs, die schwerer zu hüten waren als ein Sack Flöhe. Mut machte mir, dass ich nicht die einzige Verrückte war, die das Lolla mit Kind besuchen wollten, In meinem Freundeskreis gab es noch zwei davon. Und weil es im Leben oft anders kommt, als man denkt, und die besten Partys immer die sind, auf die man gar keine Lust hatte, wurde das Festival-Wochenende mit meinen Kindern das Schönste, das ich seit langem erlebt habe.

Ausgestattet mit Sitzkissen, Gehörschutz für die Kids und gut versteckten Schokoriegeln für die kleinen Hunger zwischendurch ließen wir uns am Festivalsamstag von der Oma in der Nähe des weiträumig abgesperrten Festivalgeländes absetzen und liefen los. Unterwegs wollte ein schwer bewaffneter Polizist unsere Tickets sehen. Die ohnehin schon sehr aufgeregten Jungs fanden das mächtig spannend. Wir fragen uns zum Eingang B – dem Familieneingang – durch. Dort bekamen wir am Infostand erstmal Papierarmbänder für die Kinder. Darauf schrieb ich ihre Namen und meine Handynummer, damit wir uns im Notfall wiederfinden würden.

© Biber & Butzemann

Doping mit Cola und gebrannten Mandeln

Am Einlass gab es keine Wartezeit. Auf dem Festivalgelände kauften wir uns erstmal ein paar coole Lollapalooza-Alutrinkflaschen (die die Jungs heute stolz wie Bolle mit zur Schule nehmen) und befüllten sie an der Trinkwasserstation. (Für das nächste Festival oder Konzert  habe ich inzwischen Faltflaschen gekauft.) Dann ging es rüber das riesige Festivalgelände zur „Kidzapalooza Stage“, unserer Homebase für die nächsten Tage. Hier gab es das ganze Wochenende über coole Konzerte speziell für die Kinder, Toiletten nur für Kinder und Familien (was die anderen Festivalbesucher leider nicht interessierte, aber Kinder mussten sowieso immer vorgelassen werden), eigene Essens- und Getränkestände sowie jede Menge Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten.

Weil wir unterwegs immer wieder staunend stehen blieben, um den Walking Acts zuzusehen oder nebelige Seifenblasen zu fangen, dauerte es eine ganze Weile, bis wir zum Kidzapalooza kamen. Und irgendwie war mein Kleiner zunächst total überfordert und furchtbar schlecht drauf. Er ärgerte abwechselnd seinen Bruder und heulte. In solchen Fällen greife ich skrupellos zu Zucker und Koffein: Nach einer Tüte gebrannter Mandeln und einer Cola war er wieder das fröhlichste Kind.

© Biber & Butzemann

Entspannte Konzerte für Mama und Kids

Das erste Konzert, das wir sehen wollten, war nun allerdings vorbei, also gingen wir rüber zu einer der Hauptbühnen, wo wir gleich eine erstklassige neue Band entdeckten: „Bears Dean“ rockten ordentlich. Weiter ging es dann für uns auf dem Kidzapalooza mit coolem Kinderreeagea von „Die Gang“ aus Kreuzberg. Vor der Bühne konnte man entspannt sitzen und tanzen, die Stimmung war super. Dann stellte „Bummelkasten“ seine neuen Songs vor, sang Hits wie den „Rolltreppenmax“ und lud zur großen Klopapierschlacht. Das fanden meine Jungs natürlich großartig, ich weniger, weil ich dadurch weitgehend die Beatsteaks verpasst habe. Aber wer mit Kindern zum Festival geht, muss eben Opfer bringen.

Nach dem Abendessen und etwas Spielzeit bummelten wir – inzwischen mit Knicklichtarmbändern ausgestattet, damit wir uns in der Dunkelheit nicht verlieren würden – über das nun noch magischer wirkende Festivalgelände zur Hauptbühne. Überall gab es etwas zu sehen. Und dann auch zu hören: „Mumford and Sons“ aus England, eine Band, die ich ohnehin schon sehr mochte, spielten absolut fantastisch. Ich war völlig im Flow.

© Biber & Butzemann

Ein gut geplanter Abgang

Leider konnten wir nicht bis zum Ende bleiben, weil ich dem Stress zum Festivalende entgehen wollte und zu 22 Uhr ein Taxi zur nächstgrößeren Straße bestellt hatte. Wie ich am nächsten Tag in den Nachrichten erfuhr, war das eine verdammt gute Entscheidung, da es bei der Abreise leider ein furchtbares Chaos gegeben hatte, das einen großen Schatten auf dieses ansonsten wunderbare Festival geworfen hatte.

Am Sonntag schliefen wir aus, aßen früh Mittag und ließen uns wieder von der Oma in Festivalnähe absetzen. Diesmal wussten wir ja schon,wo wir hin mussten, und kamen pünktlich zum Konzert von „Unter meinem Bett“. Das war ganz nett, aber nicht so gut wie „Die Gäng“ und „Bummelkasten“ am Vortag. Wir chillten im Schatten direkt vor der Bühne. Der Rest des Nachmittags verging mit Spiel und Spaß -und am Abend standen wir alle gleichermaßen aufgeregt vor der großen Bühne bei den Foo Fighters, die wie erwartet großartig waren.

© Biber & Butzemann

Ewig unvergesslich: Gemeinsam bei den Foo Fighters

Meine Jungs tanzten, klatschten und hüpften. Damit nervten sie niemanden, sondern eroberten sofort die Herzen aller Umstehenden. Eine 20-jährige sagte mir, wie toll sie es fände, dass ich mit Kindern hier wäre – vermutlich erfreute sie die Zukunftsaussicht, mit 40 und zwei Kids auch noch ein Leben zu haben und nicht scheintot vor sich hinzuvegetieren. Die jungen Mädels neben uns waren richtig traurig, als wir kurz vor Ende des Konzerts gingen. Aber am nächsten Tag war schließlich Schule und die Jungs sollten wenigstens noch 7,5 Stunden Schlaf bekommen. Wieder wartete das Taxi auf uns und brachte uns erschöpft und glücklich nach Hause.

Auch wenn ich natürlich nicht alle Bands gesehen habe, die ich gern gesehen hätte, würde ich jederzeit wieder mit Kindern zum Festival gehen – zumindest zum kinderfreundlichen Lollapalooza.  Ich glaube, wir alle werden dieses Wochenende nie vergessen. Mein Kleiner schrieb am Montag in der Schule über sein Wochenende übrigens: „Ich war beim Festival. Das war toll. Ich durfte Cola trinken.“ 🙂

© Biber & Butzemann

Festivals für Familien im Kommen

Ein tolles familienorieniertes Festival ist übrigens auch „A Summer’s Tale“ in der wunderschönen Lüneburger Heide. Damit liebäugel ich für diesen Sommer. Habt ihr weitere Tipps? Dann immer her damit!

© Biber & Butzemann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .