Kindheits-Paradies Garten

Das Paradies meiner Kindheit war unser Kleingarten. Ich erinnere mich an lange Sommer, die ich hier barfuß verbracht habe, an frisch ausgebuddelte Pellkartoffeln mit Quark und Mittagsschläfchen auf der Hollywoodschaukel. Das einzige Geräusch war das Summen der Hummeln.

Es gab ein steinernes Wasserbecken zum Gießen und Plantschen. Daneben stand ein Apfelbaum, auf den ich in Windeseile hinaufgeklettert bin – um dann nicht mehr ohne Hilfe herunterzukommen. Die Stangen, die das Vordach der Laube trugen, luden ebenfalls zum Klettern ein. Das brachte mir später im Schulsport deutliche Pluspunkte ein. Ich erinnere mich ans Ostereisersuchen im Forsythienstrauch, an sonnenwarme, duftende Erdbeeren und an kunterbunte Blumen und Schmetterlinge.

© Biber & Butzemann

Bullerbü am Stadtrand von Berlin

Ich wusste immer, dass auch meine Kinder eines Tages einen Garten haben sollten. Kaum war mein Großer auf der Welt, wurde Immobilienscout24 mein bester Freund. Berlin war mir zu eng geworden. Ich wollte raus ins Grüne. Und erstaunlicherweise fanden wir schon bald ein preiswertes Haus am Stadtrand und noch viel erstaunlicher gab uns die Bank einen Kredit dafür.

Das Paradies der Kindheit meiner Söhne ist 1000 Quadratmeter groß. Es hat einen riesigen Sandkasten mit Schaukel und Reck, ein Trampolin und einen Wohnwagen als Spielhaus. Es gibt eine Hollywoodschaukel, Blumen, Erdbeeren, Apfelbäume, Hummeln, Schmetterlinge – und jede Menge Löwenzahn für die Kaninchen. 100 Meter in jede Richtung ist Wald. Es ist Bullerbü am Berliner Stadtrand. Ich bin überglücklich, dass meine Kinder so aufwachsen dürfen.

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Jedes Kind sollte einen Garten haben

Natürlich hat nicht jeder einen Garten hinter dem eigenen Einfamilienhaus oder ein Wochenendgrundstück. Es kann auch der Garten von Oma oder Freunden sein, der im Innenhof der Wohnanlage, der Stadtgarten im Kiez oder sogar der Balkon – Hauptsache ein Fleckchen Grün.

Ideen, für die man nicht viel Platz braucht, gibt es in dem Buch „Pflanz mal was – Vom Säen bis zum Ernten“ der schwedischen Autorin Annelie Johansson, das gerade bei Beltz & Gelberg erschienen ist. Schon die Covergestaltung unterscheidet sich deutlich von anderen Gartenbüchern für Kinder. Das setzt sich im Inneren fort: mit mattem Naturpapier, vielen Illustrationen und wunderschönen Fotos. Die Schriftart erinnert an eine alte Schreibmaschine. Das Buch wirkt nostalgisch wie Bullerbü-Kindertage im Garten – und macht Groß und Klein Lust, in der Erde zu wühlen und sich am Wachstum selbstgezogener Pflanzen zu erfreuen.

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Inspiration für Säen, Ernten und Bauen

Die Autorin zeigt die Vielfalt an Samen und beschreibt Schritt für Schritt, wie Kinder eigenständig Bohnen, Sprossen oder Tomaten anbauen können. Für mich eine der besten Ideen des Buches: Kartoffeln in einen Eimer pflanzen. Das geht nämlich auch auf dem Balkon oder im Hinterhof.

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Außerdem erklärt Annelie Johansson kindgerecht, was Pflanzen brauchen und wie Bestäubung funktioniert. Dazu gibt es eine Anleitung für ein tolles Insektenhotel, das wir auf jeden Fall nachbauen werden.

Bis zur Erntezeit – in der sich neue Samen für das nächste Jahr gewinnen lassen – und zur Winterruhe beschreibt das Buch den Kreislauf der Natur. Entstanden ist es aus der täglichen Arbeit der Kinder-Gartenschule der gemeinnützigen Gärtnerei Rosendals Trädgard in Stockholm. Die Erfahrung darin, Kinder für das Gärtnern zu begeistern, merkt man dem Buch an. Für die Autorin ist es ganz offensichtlich eine Herzensangelegenheit ist, Kindern zu vermitteln, wie man Pflanzen anbaut und schließlich stolz sein eigenes Essen erntet.

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Ein Kommentar auch kommentieren

  1. W. Bönisch sagt:

    Danke für die Buchvorstellung. Sie paßt prima zu meiner Themenwoche Garten und Kinder letzte Woche. Ich werde die Rezension mal teilen.

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