Carrocker-Heulsuse

Ich muss euch etwas gestehen: Ich singe. Im Auto. Laut und falsch und ziemlich lebhaft. Auf Menschen, die vor, hinter oder neben mir fahren, wirkt das vermutlich äußerst irritierend. Meine Kinder wären dagegen eher verwundert, wenn Mama nicht jeden Song auf ihrer Playlist oder im Radio mitsingen würde.

Ich kann gefühlt alle englischsprachigen Texte im Rock- und Popbereich auswendig – und zwar auch von Songs, die lange vor meiner Geburt veröffentlicht wurden und auch bei Liedern, die ich 20 Jahre nicht mehr gehört habe. Wenn ich diese Gehirnkapazität für etwas Sinnvolles einsetzen könnte, wäre ich vermutlich Nobelpreisträger. Erstaunlicherweise geht dieses Talent mit sonstiger völliger Unmusikalität einher. Ich kann nicht eine einzige Note lesen.

Multitasking: Heulen und Singen geht auch beim Autofahren

Noch viel peinlicher als das Singen im Auto ist das Heulen beim Singen im Auto. Ich war schon immer nah am Wasser gebaut, aber seit ich Mutter bin, bin ich eine echte Heulsuse – nicht nur beim Fernsehen, Lesen und im Kino, sondern auch bei schönen, traurigen Liedern. Manchmal beneide ich Musiker: In manchen Songs liegt eine ganze Geschichte und so viel Gefühl, dass ich ein Buch schreiben müsste, um das rüberzubringen, was die in drei bis fünf Minuten schaffen.

Jedenfalls heule ich bei Liedern über Abschied, Schmerz und vor allem bei Songs über die Liebe von Eltern zu ihren Kindern. Wenn Scott Stapp von Creed in „With arms wide open“ über seinen ungeborenen Sohn singt, sitze ich nun im Auto und schluchze, während die Liebe zu meinen Kindern mich überflutet.

Ähnlich geht es mir bei Alanis Morrisettes „Guardian“. Dieser Song spricht vermutlich jeder Mutter aus dem Herzen:

„I’ll be your keeper for life as your guardian
I’ll be your warrior of care your first warden
I’ll be your angel on call, I’ll be on demand
The greatest honor of all, as your guardian.”

Wenn ihr also demnächst eine wild herumfuchtelnde oder tränenüberströmte Frau mit verzerrtem Gesicht im Auto seht – ihr müsst keinen Krankenwagen rufen. Es ist nur eine Mutter, die singt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.