Abenteuerurlaub rund um die Müritz

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“, fragte sich bereits Goethe. Wie Recht er damit hatte, haben wir in diesem Jahr herausgefunden. Von Berlin bis an die Müritz sind es gerade einmal zwei Stunden, und doch waren wir bisher noch nie da. Darum haben wir unsere Osterferien diesmal im südlichen Mecklenburg verbracht. Diese Woche hat uns so gut gefallen, dass wir Pfingsten gleich wieder hingefahren sind. Auch im September waren wir noch einmal ein Wochenende an der Müritz. Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein, denn die Region hat unglaublich viel für Familien zu bieten.

© Biber & Butzemann

Mirow – Heimat der Königinnen

Mirow ist ein kleiner Ort mit großer Geschichte. Auf der Schlossinsel mit dem 3-Königinnen-Palais (das ehemalige Kavaliershaus) und dem Schloss kann man in restaurierten Räumen und einer interaktiven Ausstellung mehr über das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz und seine drei Prinzessinnen, die im 18. Jahrhundert zu bedeutenden europäischen Königinnen wurden, erfahren. Sophie Charlotte, Königin von Großbritannien, ihre Nichte Luise, Königin von Preußen, und deren Schwester Friederike, Königin von Hannover, verbrachten jeweils einen Teil ihres Lebens in Mirow. Das ist nicht nur für Mädchen spannend.

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Viel Interessantes über die Prinzessinnen zu erzählen, hat auch der Besitzer der Alten Schlossbrauerei bei einer Führung durch die alten Gewölbe des „Ritterkellers“. Hierfür sollte man vorher einen Termin vereinbaren. Anschließend bekommt man im dazugehörigen Restaurant tolles Essen, Torten und Eisbecher mit Blick auf den See. Steigt man auf den Turm der benachbarten Kirche, durchquert man unterwegs ein tolles Antiquariat, in dem man Bücher und CDs gegen eine Spende mitnehmen kann.

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Von Booten, Flugzeugen und Irrgärten

Bekannt ist Mirow auch als Kanuhauptstadt der Mecklenburgischen Seenplatte. Wir haben als Anfänger nur einen kleinen Ausflug mit der Kanustation Granzow unternommen und sind eine Stunde um die vorgelagerte Urwaldinsel und an den zauberhaften Bootshäusern und Seerosen vorbei gepaddelt. Profis können von Mirow aus aber spannende Touren über mehrere Seen bis zur Müritz unternehmen.

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Ganz in der Nähe liegt Rechlin – früher eines der Zentren der modernen Fliegerei. Im Luftfahrttechnischen Museum freuen sich große und kleine Jungs über alte Hubschrauber und Flugzeuge aller Art. Auch für historisch interessierte Menschen lohnt sich ein Besuch. Ein kleiner Teil der Ausstellung widmet sich dem Bootsbau, der bis heute in Rechlin betrieben wird.

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15 Minuten entfernt, in der Nähe von Röbel, liegt der Irrgarten Bollewick mit Piratenschatzsuche und super Spielplatz. Richtig klasse gemacht und viel spannender und anspruchsvoller als alle Irrgärten, die wir bisher besucht haben. Pech war nur, dass unser Großer seine Kamera im Labyrinth verloren hat und wir sie in dem Gewirr an Wegen auch nicht wiedergefunden haben. Zum Glück hat sie sich in den nächsten Tagen doch noch angefunden und wurde uns von den freundlichen Betreibern des Irrgartens zugeschickt.

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Slawen und Tiere in Neustrelitz

Eines unser absoluten Urlaubshighlights war der Besuch im Slawendorf Neustrelitz. Das liegt – wie fast alle Ausflugsziele in der Region – direkt am Wasser. Man kann stundenlang durch die originalgetreu nachgebauten reetgedeckten Holzhäuser der mecklenburgischen Slawenstämme schlendern. Das Leben unserer Vorfahren lässt sich dabei ganz praktisch kennenlernen. Wir haben alte Spiele gespielt und sind Boot gefahren. Wir haben Kerzen gerollt, Armbänder gewebt, Körbe geflochten, Speckstein gefeilt, Nägel geschmiedet, Holzmesser glatt geschliffen und getöpfert. Nirgendwo musste am anstehen oder warten. Ein toller Tag – nicht nur für die Kinder.

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Ebenfalls empfehlenswert ist der Tiergarten Neustrelitz. In meist großen, naturnahen Gehegen leben überwiegend einheimische Arten, aber auch Pumas, Lamas und Nasenbären. Vor allem aber gibt ein ganz wunderbares, begehbares Berberaffengehege. So gut wie hier konnten wir Tiere zuvor noch nie beobachten. Es wirkt so unglaublich menschlich, wie die Kleinen miteinander raufen und toben, wie Mütter liebevoll die Babys versorgen und die Papas alles kritisch im Blick behalten, damit keinem etwas passiert. Außerdem immer toll für Kinder: Dam- und Rotwild füttern.

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Zwischen der Barockstadt Neustrelitz und Mirow liegt die Burg Wesenberg. In dem kleinen Museum gibt es neben einer Ritterrüstung auch altes Spielzeug, eine historische Schuhmacherwerkstatt, landwirtschaftliche Werkzeuge und präparierte Tiere aus der Region zu entdecken. In einem Seitengebäude befindet sich eine Ausstellung zur Fischerei und im Schatten der Burgmauern ein Spielplatz. Als Zwischenstation durchaus zu empfehlen.

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Bären, Eisvögel und Nutria in Stuer

In Stuer liegt der Bärenwald Müritz, ein Projekt des Vereins Vier Pfoten. Im Bärenschutzzentrum finden ehemalige Zirkus- und Tierparkbären aus schlechter Haltung ein artgerechtes Zuhause. In dem riesigen Gehege kann man nicht immer alle der 16 Braunbären sehen, weil die Tiere hier nicht zur Schau gestellt werden. Stattdessen sollen sie ihre Instinkte und ihr natürliches Verhalten wiederentdecken. Wir haben aber trotzdem einige Tiere sehr gut beobachten können.

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Nicht nur die Bären genießen es, durch die abwechslungsreiche Landschaft mit viel Wald und Wasser zu streifen. Auch für die Besucher ist der Parkbesuch ein entspannter Waldspaziergang mit diversen Spielmöglichkeiten. An Schautafeln und interaktiven Stationen lernt man zudem viel über die verschiedenen Bärenarten, kann in einem Indianertipi ausruhen oder Bärengeschichten lesen.

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Nett pausieren und essen kann man an einem Imbiss mit frischem Räucherfisch und – superlecker – geräuchertem Camembert. Von hier aus führt ein Weg aus dem Park hinaus (und später wieder hinein) am Fluss entlang ins „Tal der Eisvögel“. Die hübschen blaugefiederten Vögel haben wir zwar leider nicht entdeckt, dafür kam uns ein Nutria entgegengeschwommen, einfach so, in freier Natur. Das war für uns alle irgendwie magisch.  Am Ende des Parks gibt es einen tollen Shop mit Indoorspielplatz.

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Mit dem Fahrrad durch Plau am See

In Plau am See kann man den Turm der alten Burg hinaufsteigen und einiges über die Stadtgeschichte erfahren. Für Kinder interessanter ist aber das elf Meter tiefe Verließ im Boden. Läuft man draußen ein wenig um die alten Mauern herum, kommt man an einen geheimnisvollen Gang, dem man aber leider nicht folgen darf.  Im Burgmuseum waren wir leider aufgrund der kurzen Öffnungszeiten nicht. Ansonsten hat Plau eine hübsche Altstadt mit Hubbrücke.

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Dem Wanderweg durch den Stadtwald und am See entlang namens „Spur der Zaubersteine“ sind die Kinder und ich lieber mit dem Fahrrad gefolgt. Zehn Kilometer wandern wollte nur der Papa. Die Strecke ist hübsch, aber nach den Zaubersteinen haben wir leider vergeblich Ausschau gehalten.

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Das Beste an Plau am See ist das urgemütliche Antik-Café mit angeschlossenem Trödelladen. Hier kann man gemütlich im toll dekorierten Garten sitzen und sensationelle Torten essen. Auch die heiße Schokolade ist ein Hit.

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Affentheater in Malchow und Trecker in Alt-Schwerin

An die Stadt Malchow erinnern sich meine Kinder nur, weil sie hier 20 Kröten und Frösche aus drei Lichtschächten gerettet und im Park an der Kirche gegenüber ausgesetzt haben. An der Drehbücke kann man ein Eis essen und dann gleich weiterfahren zur Sommerrodelbahn mit Affenwald. Die Rodelbahn macht – wie alle ihrer Art – Spaß, und auf dem Affenberg klettern einem die Berberäffchen auf dem Rucksack herum oder hängen sich ans Hosenbein. So süß!

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Anschließend haben wir einen Ausflug ins Landwirtschaftsmuseum Agroneum in Alt Schwerin gemacht. Das ist viel spannender, als es klingt. Im Freilichtmuseum wurden historische Gebäude von Bauernhöfen aus der Region neu aufgebaut – samt Einrichtung. Man kann also sehr gut sehen, wie die Menschen früher gelebt haben. Es gibt alte Traktoren und Werkstätten sowie einige Spielmöglichkeiten.

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Hexen auf Burg Penzlin und Schliemann-Heimat Ankershagen

Nördlich von Neustrelitz liegt die Alte Burg Penzlin mit ihren Hexenverließen samt Folterkeller. Ich hatte ein bisschen Angst, dass der Besuch zu gruselig für meine Grundschulkinder wäre, aber meine Jungs fanden die Führung „total cool“. Ich selbst habe aufgrund der Lektüre zu vieler historischer Romane eine zu genaue Vorstellung von den Abscheulichkeiten des Mittelalters und der frühen Neuzeit, darum fand ich es viel schauriger als die Kinder. Schön sind der Hexenspielplatz an der Burgmauer und der Kräutergarten im Burghof, in dem man viel über „Zauberpflanzen“ lernt. Alraunen gibt es übrigens nicht nur bei „Harry Potter“.  🙂

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Nicht weit entfernt liegt an den Havelquellen – ein sehr schönes (Rad-)Wandergebiet – der kleine Ort Ankershagen. Im Pfarrhaus hat Heinrich Schliemann einen großen Teil seiner Kindheit verbracht und beschlossen, dass er einst Troja finden wird. Wie er dieses Vorhaben umgesetzt hat und welche Schätze er dabei gefunden hat, erfahren kleine und große Besucher heute im Museum in Schliemanns Elternhaus. Im Garten steht ein großes trojanisches Pferd, in das die Kinder hineinklettern können. Meine Jungs fanden es superwitzig, dem Pferd anschließend aus dem Allerwertesten zu rutschen.

Das Müritzeum in Waren und die Wisentinsel Damerower Werder

Die bekannteste Stadt an der Müritz ist Waren. Die hübsche Altstadt mit großem Hafen lädt zum Bummeln ein. Der eigentliche Besuchermagnet ist aber das Müritzeum – Deutschlands größtes Aquarium für heimische Süßwasserfische und Naturerlebniszentrum in einem. Auf 2.000 Quadratmetern lernen kleine und große Besucher viel über Tiere und Pflanzen im Land der tausend Seen – alles wunderbar interaktiv und spannend aufbereitet. Auch Fossilienfans sind hier genau richtig.

  

Ein weiteres schönes Naturerlebnis ist das Wisentreservat in Jabel. Nach dem Eingang geht es aber erstmal um viel kleinere Tiere: In großen Glaskästen lässt sich ein Ameisenvolk beobachten. Das hätten meine Jungs und auch der Papa stundenlang tun können. Über verschiedene Spielstationen geht es zum Wisentgehege. Während der Fütterung haben wir viel Interessantes über diese Tiere gelernt, wie weitgehend frei auf der Insel Damerower Werder leben. Niedlich anzusehen war das Kälbchen, das direkt vor uns Milch bei seiner Mama trank. Ein Stückchen weiter kann man Rotwild und Kraniche beobachten, am Seeufer Enten und Komorane. Die Natur auf der Insel ist einfach wunderschön. Und vor dem Eingangsgebäude gibt es einen tollen, kostenlosen Kletterpfad. Auch der benachbarte Fischereihof lohnt einen Besuch, schon wegen des tollen Wasserspielplatzes.

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Wo Übernachten?

Wir haben jetzt bereits zweimal im Ferienpark Mirow  übernachtet. Die gemütlichen Ferienhäuser im skandinavischen Stil bieten Platz für drei bis zwölf Personen. Alle Häuser haben einen Kamin und einen Garten mit Terrasse, die meisten auch Whirlpool, Außengrill und Sauna. Die Küche ist gut ausgestattet.

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Vor allem aber punktet der Ferienpark Mirow durch seine Lage direkt am Granzower See. Am Ufer können die Eltern romantische Sonnenuntergänge genießen, während die Kinder auf dem Abenteuer- und Wasserspielplatz toben. Im Sommer gibt es auch kühle Getränke, Snacks vom Grill und tolle Live-Musik. Auch für Angler und Kanufahrer ist der See ein Paradies. Die Schlossinsel Mirow lässt sich über einen tollen Ufer-Wander- und Radweg in kurzer Zeit erreichen.

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Als wir angekommen sind, regnete es. Da waren wir erstmal Billard spielen in der Kinderanimation. Hier gibt es fast jeden Tag die unterschiedlichsten Angebote (Basteln, Bogenschießen, Fußballturnier, Neptunfest etc.), die wir aber nicht nutzen konnten, weil wir immer unterwegs waren. Für Familien, die länger da sind, aber auf jeden Fall eine schöne Sache. Zusätzlich gibt es im Park kostenpflichtige Angebote wie Ponyreiten, Kinderangeln mit Angelprofi Mario, Keramik-Bastel-Straße, Stand-Up-Paddeling, Tretbootfahren, Schwimmbad mit Sauna und Wellnesslandschaft usw.

  

  

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